Konzeptmappe
„Auf den Spuren der Jakobspilger"
Ein Projekt für Kinder und Jugendliche zwischen 8 und 12 Jahren
Die Idee
Die Jakobspilger als Thema für ein Projekt? Ist dieses Thema nicht sehr angestaubt und vor allem langweilig für junge Leute? Wie kann es anschaulich und spannend „verpackt" werden, so dass es in seiner Faszination auch für die Zielgruppe Kinder und Jugendliche anschaulich wird?
Das Rheinische LandesMuseum Bonn bietet seit über 30 Jahren in den Schulferien Projekte für Kinder und Jugendliche zu den verschiedensten Themen an. Neben Klassikern wie „Die Steinzeit", „die Römer" oder „die Franken" werden aber auch eher „trockene" Bereiche wie zum Beispiel „die Renaissance" so aufgearbeitet, dass die Kinder und Jugendlichen sich gerne und intensiv damit beschäftigen.
Zu Beginn des Jahres 2004 entstand so die Idee, ein Ferienprogramm zu den Jakobspilgern zu veranstalten. Die Jakobswege haben in den letzten Jahren eine regelrechte Renaissance erlebt. Immer mehr Menschen legen die Etappen auf den mittelalterlichen Wegen nach Santiago de Compostela zu Fuß, auf den Fahrrad oder Pferd zurück. Der Landschaftsverband Rheinland hatte im Rahmen eines gesamteuropäischen Projektes die Wege der Jakobspilger im Rheinland neu markiert und einen Wanderführer verfasst. Wichtig war aber auch die Anbindung an die Ausstellung des Rheinischen LandesMuseums: Vor dem Museum wurde eine Stele mit dem Hinweis auf den Jakobsweg aufgestellt, da dieser am Haus vorbei führt. Auch im Museum lassen sich so manche Spuren der Pilgerbewegung entdecken: Neben Gemälden von Pieter Brueghel dem Jüngeren oder Karl Friedrich Lessing kann der Besucher in der Abteilung „Das Rheinland und die Welt" eine lebensgroße Figur einer Jakobspilgerin und eine geschnitzte Jakobusfigur bewundern und sich über die rheinischen Pilgerziele Köln und Aachen informieren. Anlässe, ein Projekt zu den Jakobspilgern zu veranstalten, finden sich demnach in großer Anzahl. Dank der neu markierten Wanderwege finden sich jedoch auch in anderen Städten vielfache Möglichkeiten, Einstiege in dieses spannende Thema zu finden.
Konzept für ein Projekt „Auf den Spuren der Jakobspilger"
Eine rein kognitive Annährung an das Thema „Pilgern" erscheint wenig sinnvoll, da es für Kinder nur schwer fassbar ist. Vielmehr bietet sich eine handlungsorientierte Herangehensweise an, die den Kindern das Pilgern „begreifbar" macht. Das Projekt „Ferien im Museum", das im Folgenden detailliert vorgestellt wird, basiert auf einem praxisnahen Heranführen an dieses Thema. Der Rahmen des Projektes ist als Vorschlag zu sehen, die Workshops können beliebig variiert und zeitlich verändert werden.
Zeitlicher Rahmen
Die Kinder, die am Ferienprogramm teilgenommen haben, besuchten die Workshops über sieben Tage, jeweils von 10 Uhr bis 16 Uhr 30. In der Mittagspause von 12 Uhr 30 bis 14 Uhr aßen sie gemeinsam zu Mittag und hatten anschließend die Gelegenheit zu Spielen. Der Vor- und Nachmittag wurde durch eine weitere Frühstücks- beziehungsweis Kaffeepause unterbrochen.
Den Beginn markierte eine Einführung in das Thema in Form eines kleinen „Theaterstücks", bei dem die Kinder einiges zu den Jakobspilgern erfuhren: Ein moderner Pilger trifft einen mittelalterlichen Pilger. Auch die Pilgerfigur im Museum wurde mit den Kindern angeschaut und die Ausrüstung des Pilgers thematisiert. Zur Sicherung erhielten die Kinder eine kleine Geschichte, die sie zu Hause lesen konnten.
Anschließend begannen die eigentlichen Workshops, in denen die Kinder Teile einer eigenen Ausrüstung anfertigen konnten.
Um diese Ausrüstung nicht im luftleeren Raum stehen zu lassen, bildete eine gemeinsame Wanderung auf dem Jakobsweg den Höhepunkt des Programms. Hierzu hatten die Kinder ein Pilgerlied des 15. Jahrhunderts eingeübt, das an verschiedenen Stationen zum Einsatz kam: Bei einem Bauern erhielten sie nach dem Gesang Essen und Trinken, und am Ende der Strecke wartete in Bonn-Gielsdorf an der Pfarrkirche Sankt Jakobus der Pfarrer mit einem Pilgersegen und einem echten Pilgerstempel auf die kleinen Pilger, auch wenn der Pilgersegen normalerweise zu Beginn des Weges erfolgt. Einen Pilgerstab hatten die Kinder zur Bearbeitung mit nach Hause bekommen, da die Verletzungsgefahr beim Schnitzen in der Gruppe zu groß war. Den Abschluss des Programms bildete eine Ausstellung der von den Kindern angefertigten Objekte, zu der alle Verwandten, Freunde und Bekannten eingeladen waren.